Akustische Vorsatzschale: Was ist das und wie baut man eine?
Was ist eine akustische Vorsatzschale?
Eine Vorsatzschale ist eine zusätzliche Wandkonstruktion, die vor eine bestehende Wand gesetzt wird. Sie besteht aus einem Ständerwerk, einer Dämmschicht im Hohlraum und einer schweren Beplankung. Ihr Hauptzweck ist die Schalldämmung: Sie reduziert vor allem Luftschall wie Stimmen, Musik oder Fernsehgeräusche, der durch die Wand zum Nachbarn oder in den nächsten Raum dringt. Eingesetzt wird sie häufig in Altbauten mit dünnen Wänden, in Reihenhäusern, Büros und Studios.
Wichtig zu wissen: Eine Vorsatzschale aus Gipskarton verbessert die Akustik im Raum selbst nicht. Wenn es in Ihrem Raum hallt, brauchen Sie zusätzlich schallabsorbierende Materialien. Beides sind unterschiedliche Aufgaben.
Was kann eine Vorsatzschale leisten und was nicht?
- Luftschall: Hier wirkt eine richtig aufgebaute Vorsatzschale gut. Stimmen, Musik und Fernseher werden deutlich leiser.
- Körperschall und Trittschall: Klopfen, Poltern oder Schritte von oben übertragen sich über die Gebäudestruktur. Eine Vorsatzschale an der Wand hilft dagegen nur begrenzt. Bei Trittschall von oben ist meist eine Maßnahme an der Decke wirksamer.
- Flankenübertragung: Schall kann über angrenzende Wände, die Decke und den Boden um die Vorsatzschale herum übertragen werden. Wie stark sich der Schallschutz tatsächlich verbessert, hängt deshalb vom Gesamtaufbau ab.
- Platzbedarf: Rechnen Sie mit etwa 5 bis 10 cm. Für einen besseren Schallschutz sind 10 bis 15 cm sinnvoll.
So funktioniert eine Vorsatzschale
Eine Vorsatzschale arbeitet als Masse-Feder-Masse-System: Die bestehende Wand ist die erste Masse, die Luft und die Dämmung im Hohlraum bilden die Feder, und die schwere Beplankung ist die zweite Masse. Damit dieses System den Schall wirklich dämmt, müssen drei Dinge stimmen:
- Entkopplung: Das Ständerwerk darf die bestehende Wand nicht starr berühren. Jede feste Verbindung ist eine Schallbrücke, über die der Schall an der Dämmung vorbeiläuft.
- Gefüllter Hohlraum: Der Hohlraum sollte mindestens etwa 50 mm tief sein und vollständig mit faserigem Dämmstoff wie Mineralwolle (Stein- oder Glaswolle) gefüllt werden. Ein leerer oder sehr flacher Hohlraum kann in bestimmten Frequenzbereichen sogar zu einer schlechteren Schalldämmung führen, weil die Luftschicht dann mitschwingt.
- Schwere, mehrlagige Beplankung: Eine einzelne dünne Platte bringt wenig. Üblich sind zwei Lagen Gipskarton- oder Gipsfaserplatten mit versetzten Fugen. Je mehr Masse die Beplankung hat, desto besser ist die Wirkung.
Welches Material eignet sich wofür?
- Dämmstoff im Hohlraum: Mineralwolle (Stein- oder Glaswolle).
- Entkopplung: Elastische Streifen, zum Beispiel Verbundschaumstoff-Streifen, unter den Anschlussprofilen. Prüfen Sie in den Produktangaben, ob das Material für das Gewicht Ihrer Konstruktion geeignet ist.
- Zusätzliche Masse (optional): Schwere Schalldämmplatten können die Wirkung der Beplankung erhöhen.
- Akustikschaumstoff gehört nicht in die Vorsatzschale: Noppen-, Pyramiden- und Melaminschaum absorbieren Schall im Raum, dämmen ihn aber nicht. Als Hohlraumdämmung oder als Beplankung sind sie ungeeignet.
Material und Werkzeug
- Ständerwerk aus Metallprofilen (UW- und CW-Profile) oder Holzlatten, jeweils mindestens 50 mm tief
- Elastische Entkopplungsstreifen, zum Beispiel Verbundschaumstoff-Streifen
- Mineralwolle in der Stärke der Profiltiefe
- Gipskarton- oder Gipsfaserplatten für zwei Lagen, zum Beispiel 2 × 12,5 mm
- Dauerelastischer Akustik-Dichtstoff
- Schnellbauschrauben für die Beplankung sowie Schrauben und Dübel für die Befestigung an Boden und Decke
- Spachtelmasse und Fugenband
- Akkuschrauber oder Bohrmaschine, Säge oder Cuttermesser, Wasserwaage und Maßband
- Handschuhe, Schutzbrille und Atemschutz für die Arbeit mit Mineralwolle
Schritt-für-Schritt: Wie bauen Sie eine Vorsatzschale?
1. Planen und ausmessen
- Messen Sie die Wand genau aus und notieren Sie Steckdosen, Schalter, Heizkörper und Leitungen, die berücksichtigt werden müssen.
- Prüfen Sie, ob die Wand trocken, sauber und tragfähig ist. Bei Feuchtigkeit oder Schimmel muss die Ursache zuerst beseitigt werden.
- Planen Sie den Platzbedarf ein und klären Sie als Mieter vorab mit dem Vermieter, ob der Einbau erlaubt ist.
2. Position markieren
- Markieren Sie am Boden, an der Decke und an den seitlichen Wänden, wo das Ständerwerk stehen soll.
- Halten Sie einen Abstand von mindestens 1 bis 2 cm zur bestehenden Wand ein, damit kein Kontakt entsteht, auch nicht an Unebenheiten.
3. Entkoppeltes Ständerwerk aufbauen
- Legen Sie unter die Boden- und Deckenschienen sowie an die seitlichen Anschlüsse elastische Entkopplungsstreifen und befestigen Sie die Schienen.
- Stellen Sie die Ständer in einem Achsabstand von etwa 60 cm ein und kontrollieren Sie mit der Wasserwaage, ob alles gerade und stabil steht.
- Befestigen Sie das Ständerwerk nicht an der bestehenden Wand. Ist bei größeren Höhen eine zusätzliche Stabilisierung nötig, verwenden Sie dafür nur schwingungsentkoppelte Verbinder.
4. Hohlraum dämmen
- Füllen Sie den Hohlraum vollständig mit Mineralwolle. Sie sollte lückenlos anliegen, aber nicht stark zusammengedrückt werden.
- Tragen Sie bei der Verarbeitung Handschuhe, Schutzbrille und Atemschutz, da die Fasern Haut und Atemwege reizen können.
5. Beplankung montieren
- Schrauben Sie die erste Lage Gipskarton- oder Gipsfaserplatten ausschließlich auf das Ständerwerk.
- Montieren Sie die zweite Lage mit versetzten Fugen, sodass keine Stoßfugen übereinanderliegen.
- Lassen Sie zu Boden, Decke und seitlichen Wänden eine Fuge von etwa 5 bis 10 mm frei, damit Sie diese anschließend elastisch abdichten können.
6. Anschlüsse und Durchbrüche abdichten
- Verschließen Sie alle Randfugen mit dauerelastischem Akustik-Dichtstoff. Schon kleine Öffnungen lassen Schall durch und mindern die Wirkung deutlich.
- Dichten Sie auch Ausschnitte für Steckdosen und Schalter sorgfältig ab. Offene Dosen sind eine häufige Schwachstelle.
7. Oberfläche fertigstellen
- Verspachteln Sie Plattenfugen und Schraublöcher und schleifen Sie die Flächen leicht an.
- Streichen oder tapezieren Sie die Wand nach Wunsch.
Häufige Fehler
- Das Ständerwerk berührt die bestehende Wand oder ist starr daran befestigt.
- Der Hohlraum ist zu flach, nicht gedämmt oder nur teilweise gefüllt.
- Die Beplankung besteht nur aus einer dünnen Lage.
- Fugen, Anschlüsse oder Steckdosen sind nicht abgedichtet.
- Akustikschaumstoff wird als Dämmstoff verwendet.
- Von der Vorsatzschale wird erwartet, dass sie auch Trittschall von oben löst.
Eine Vorsatzschale planen Sie mit Schallschutz Deal
Weitere Hinweise zu Aufbau, Stärke und Montage finden Sie auf unserer Seite zur schalldämmenden Vorsatzwand. Bei Schallschutz Deal finden Sie die Materialien für Entkopplung und zusätzliche Masse, zum Beispiel Verbundschaumstoff-Streifen und Schalldämmplatten. Haben Sie Fragen zum Aufbau oder möchten Sie Hilfe bei der Lösung Ihres Problems? Dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Unsere Spezialisten helfen Ihnen gerne und denken gemeinsam mit Ihnen mit.